Ein Wolf riss Nürnbergs Schafe

Wolf und seine Freunde trieben zwischen 2000 und 2003 ihr anarchisches Unwesen in Nürnberg. Angelehnt an die Ideen der Kommunikationsguerilla war Wolf der Initiator eines Spiels, das am Rande der Legalität die Grenzen von Realität und Fiktion versuchte aufzulösen. Bis er 2003, kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag, verschwand. In der Retrospektive bilden vier Freunde, Wolfs Exfreundin und sein Bruder unabhängig voneinander und doch gemeinsam ein Bild von einem Menschen, der von seinem Umfeld kontroverse Reaktionen forderte. Die Filmaufnahmen aus der damaligen Zeit, aufgenommen durch einen von Wolfs engsten Freunden, werfen ein weiteres Bild auf die Verhältnisse der einzelnen Freunde. Und nicht immer stimmen die Aussagen mit den Bildern der Vergangenheit überein. Im Versuch herauszufinden was Wolf antrieb, was seine Ziele und Vorstellungen waren, begibt sich der Filmemacher auf eine Suche nach Rede und Antwort und dem Lebensgefühl der anderen Art.

“Ein Wolf riss Nürnbergs Schafe” nimmt jene Fragen der Realität und Fiktion, die intentional für die nur durch andere beschriebene Hauptfigur Wolf ist, in die filmische Struktur mit auf. Weniger steht der Versuch im Vordergrung, einen Film zu schaffen, der wie eine Dokumentation wirkt, sondern viel mehr die Frage danach, inwieweit die Dokumentation vielleicht in einem fiktiven Film stecken mag. Gleichzeitig steht der Film auch am Anfang der eigenen filmischen Versuche in Richtung der Themen, die in den folgenden Projekten virulent bleiben: die Arbeit an der Entautomatisierung der filmischen Wahrnehmung; das Benutzen von ständigen Irritationsmomenten in Struktur und Inhalt für den Rezipienten. Und das Aufeinanderprallen der realen und der diegetischen Welt, die sich ohne klare Grenzen gegeneinander, kaum merklich, voneinader abheben. Grenzen werden damit aufgehoben und neu platziert nur um sie schlussendlich wieder zu verneinen. Und über der Hauptfigur Wolf, die nie im diegetischen und realen Jetzt vorkommt, steht eine Figur, die normalerweise zum versteckten Apparat des Films gehört: der Filmemacher, der unsichtbar Teil der Darstellung ist.

Der Film ist unter Verschluss.

ca: 54min
ein Tibor Baumann Film
Mit: Lion-Russell Baumann, Yann F. Wilhelm,
Tobias Kaiser, Steffi Baxmann, Matteo Colaiani,
Simone Abitz u.a.
Idee & Buch: Tibor Baumann
Regie: Tibor Baumann
Kamera: Yann F. Wilhelm und Tibor Baumann
Schnitt: Matteo Colaiani
Plakat von Grischa Jäger
eine Tibor Baumann Produktion
alle Rechte bei Tibor Baumann © 2008

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