AntiHelden

Seit den ersten politischen Reaktionen auf die Attentate des 11. September 2001 dokumentiert ein junger Filmemacher die Entwicklung der Überwachung und die Reaktionen der Gesellschaft auf die neuen Feindkonstrukte und die Werteorientierung. Sein Thema scheint für ihn selbst unklar, wahllos interviewt er Politiker, Passanten und sich selbst. Nach mehreren Jahren wird er sich bewusst darüber, dass er nach dem Punkt sucht, an dem Protest in Widerstand umschlägt – doch der Widerstand findet ihn und nicht umgekehrt: eine Gruppe maskierter Männer, die sich selbst „Neues Regime“ nennen. Die Gruppe hat in jahrelanger Arbeit die gesamte Infrastruktur der BRD infiltriert, nutzt dabei Gegner der Überwachung, die in allen Bereichen tätig sind, und beginnt nun die Waffen der Überwachung gegen die Überwacher zu wenden.
Immer wieder aus der Retrospektive kommentiert, verfolgen wir den Filmemacher nun bei seiner Arbeit, den Diktator sowie dessen Ansichten und Ziele zu begleiten. Konfrontiert mit Angst und einer in Unordnung geratenen Welt verbeisst er sich in dem Projekt. Immer weiter bewegt er sich in das Grenzland zwischen Superhelden und Terroristen, zwischen Greifbarem und Unfassbarem. So wird der Filmemacher Zeuge des kompromisslosen Vorgehens des „neuen Regimes“, das im Notfall auch über Leichen zu gehen bereit ist.
Als es zur Konfrontation mit einer namenlosen Gegenpartei kommt, muss sich der Filmemacher die Frage stellen, auf welcher Seite er selbst steht – und vielleicht erkennen, dass ihn sein eigener fanatischer Antrieb zu eben solch einem Menschen gemacht hat wie jenen Diktator hinter seiner Maske.

Die Frage nach den Zusammenhängen innerhalb der Thematiken werden in „AntiHelden“ auf Realität und Fiktion hin geprüft. Die Montage der fiktionalen und der dokumentarischen Ebene bringen die unvereinbar scheinenden Elemente sogar so weit, dass auch die Ereignisse in der diegetischen Welt für die Figuren selbst fragwürdig erscheinen. Es bleibt jedoch bei getrennt wahrnehmbaren Ebenen – es wird keine gefälschte Dokumentation montiert. Die Figur des Filmemachers wird damit zum Verbindungsstück, da er die Interviews führt, die aber nicht in seiner Welt, in der die Unterscheidung von Superhelden und Terroristen wichtig scheint, stattfinden.
Der Spagat zwischen den Ebenen erlaubt gleichzeitig das beständige Einreißen der Grenzen – das virulente Thema der Entautomatisierung bringt damit die Fragen weiter an den angestrengten Rezipienten. Das sich so immer weiter aufspannende Thema wird jedoch schlussendlich nicht beantwortet; der Zuschauer wird Zeuge, wie die diegetischen Figuren des „Neuen Regimes“ in die reale, dokumentarische Welt eindringen. Alle Grenzziehungen, die anfangs den Film zerteilten, liegen schließlich in Scherben.

ca. 100 min.
Ein Tibor Baumann Film
Mit: Lion-Russell Baumann, Levent Özdil
Steffi Baxmann u.a.
Idee & Buch: Tibor Baumann
Regie: Tibor Baumann
Kamera:Yann F. Wilhelm,
Mateo Colaianni, Markus Reichel
Licht: Barbara Uliarczyk
Ton: Tobias Kaiser
Schnitt: Tibor Baumann, Yann F. Wilhelm
Musik & Sounddesign: Tobias Kaiser,
Arndt Eppler, Andreas Männchen
Eine Tibor Baumann Produktion
Alle Rechte bei Tibor Baumann © 2011

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