A TALE FROM THE BORDER

December 7th, 2014 Comments Off on A TALE FROM THE BORDER

Nun ist es also bald so weit: A TALE FROM VLADIWOODSTOK ist fertig und wir stehen mal wieder in den Startlöchern einen Abend zu organisieren um eine Plattform zu schaffen. Diese Plattformfrage, die Frage danach, wohin die Reise mit dem fertigen Film gehen soll, hat Frank von Vladiwoodstok (ja, das ist ein Titel) und mich den letzten Wochen viel beschäftigt.

Erst einmal scheint diese etwas verwunderlich. Nach so einer Produktion ist diese Frage meist schon beantwortet, während der Pre-Produktion, klar austariert. Doch A TALE FROM VLADIWOODSTOK stellt durch die eigene Form der Arbeit Anforderungen, die immer wieder diskutiert werden mussten.

Einen Teil dieser Voraussetzungen wurden schon im Artikel „Wiederholungstäter dargestellt. Der Fokus dieses Eintrages lag allerdings auf einem breiter gefächerten Blickfeld (Die Einfügung des Abschnittes ist hier nur der Vollständigkeit halber gesetzt):

„Nachdem mich die Aufgabe beim Tatort zerrieben hatte, musste ich meinerseits ein schnelles Konzentrat herstellen. Direkt im Anschluss an die Arbeit am Mörderset stand eine eigene Produktion an; die TABULA RASA FILM Gemeinschaft versammelte sich gemeinsam mit der Band Vladiwoodstok um die Spirale. Seit den Enzlingbrüdern waren nicht mehr so viele Mitglieder Tabula Rasas zusammen gekommen. Und es war auch das erste mal seit den Ganovenbrüdern, dass die Baumann Brüder wieder zusammen arbeiten konnten.

Schon im Frühjahr 14 waren die Ideen zu einem Musikvideo zu der Polka-Trash-Rock-Band entstanden. Während des Schreibprozesses wurde immer klarer, dass es sich nicht „nur“ um ein Musikvideo handelte. Es verselbstständigte sich und wuchs sich zu einer eigenen Plattform aus, um eine kleine Geschichte zu erzählen; ein 10 min Kurzfilm, drei Songs der Band umfassend.

Im Nachgang betrachtet, war es eine unterbewusste Reaktion. Im den letzten zwei Jahren sind verschiedenen Arbeiten mit Musikern entstanden, zum einen mit DIE JAPANISCHE CLUBJACKE, zum anderen mit HANNAH GROSCH.

Die Band VLADIWOODSTOK bot die Plattform, sich stilistisch in Richtung der Enzlings und darüber hinaus zu bewegen – bewussten Trash zu produzieren, ein wenig Oldschool zu wirken, im Hintergrund ein paar Regeln zu brechen und gleichzeitig die Idee aufzunehmen, das Vladiwoodstok einen Ort darstellt, eine obskure Mischung aus Russland und Amerika, aus Polka und Rock n Roll, aus Wodka und Winchester. Und diese Möglichkeit verwies auf die Möglichkeit eine Arbeit anzugehen, die sowohl Musikvideo, als auch Kurzfilm ist, die sich von der reinen Promotionaufgabe für eine Band, die reine „Verbilderung“ der Musik einen zusätzlichen Raum nimmt. Es war keine Arbeit für eine Band, wie bei den Clubjacken und keine Zusammenarbeit auf Kunstfilmebene wie mit HG, sondern eine gleichberechtigtes Nebeneinander, das eine sehr schöne Arbeit zur Folge hatte.

Diese Arbeit hatte eine Voraussetzung: durch die Arbeit beim Tatort war es nicht möglich gleichzeitig die Preproduktion voll zu übernehmen. So schulterten Steffen Golser die Preproduktion auf Seite der Produktion und Thorsten Singer auf Seiten der Regie als Assistent. Das Vertrauen nur zu delegieren ist im Independent-Bereich eine Lehre, die man sich hart erkämpfen muss, die sich immer nach Experiment anfühlt. Ein Experiment, dass in jedem Fall geglückt ist, denn ich kam an ein gut organisiertes Set, das meine Arbeit die besten Voraussetzungen unter den gegebenen Umständen ermöglichte.“ (siehe Artikel WIEDERHOLUNGSTÄTER).

Was hier anklingt ist eine grundsätzliche Überlegung zur Arbeit mit Musikern als Filmemacher. Die sich ursprünglich herausgebildete Form, das Musikvideo, ist ökonomisch betrachtet eine Promotionarbeit. Anfangs über das Musikfernsehen publiziert, setze durch das Internet, die dort entstehenden Plattformen und die damit einhergehende Verfügbarkeit des Mediums, ein Prozess ein, der letztlich an die Ursprünge der Clipästhetik anknüpft.

Mit dem aufkommen niederschwelliger Filmproduktionsmittel, war die Orientierung, Film als Clip, als „Videokunst“, zu begreifen in den frühen 80ern angelegt und letztendlich mit den Entwicklungen der Distributionsmittel via Internet konsequent fortgeführt. Das Musikvideo steht damit nicht nur (fast immer) jedem zur Verfügung – es leistet auch losgekoppelt von Sendern oder Veranstaltern Arbeit für einen Musiker. Es kann Stil und Ästhetik zusätzlich transportieren, den Verweis auf mehr Musik und Auftritte beinhalten und, vielleicht am wichtigsten, einen zusätzlichen Eindruck schaffen, wie sich ein Auftritt anfühlen könnten. Gleichzeitig ist es auch ein Promotionmittel eines Filmemachers, der durch das Musikvideo nicht nur eigene Stil, sondern auch sein Anpassungsfähigkeit präsentieren kann.

Allerdings gibt es auch eine künstlerische Seite der Medaille. Über die Jahre hinweg kann man bei (manchen) Musikern beobachten, dass sie sich mit bestimmten Filmkünstlern zusammen tun, ergo eine bewusste Auswahl stattfindet. Einerseits sicherlich eine ästhetische Entscheidung, andererseits auch die Möglichkeit, die Möglichkeit, medienübergreifend sich gegenseitig zu bereichern. In meiner eigenen Zusammenarbeit mit Musikern kann ich diese ästhetische Entscheidung als einen künstlerischer Synergieeffekt beschreiben. Das Spagat, zwischen werbetechnischen und künstlerischen Zielen, liegt hier also frei und fordert einen denkerische Grundlage, bzw eine Aussage von den Schaffenden.

Schon in den oben erwähnten Arbeiten mit DJC und HG war der Anspruch als denkerische Voraussetzung gegeben, nicht nur als Werbung einen Song der Künstler mit Bildern zu unterlegen. Die Zielsetzung dieser Arbeiten war eine anderen:

in der eigenen Filmsprache eine Ästhetik zu finden, die zu den Musikern und deren Werken passt und gleichzeitig eine filmische Arbeit generiert, die sich an narrativen Elementen orientiert und die eigenen, ästhetischen Bestrebungen originär beinhaltet. Dieses Zielsetzung kristallisierte sich in den Arbeiten immer weiter heraus. Und so ist letztlich A TALE FROM VLADIWOODSTOK am stärksten im narrativen Feld. So stark, dass die Grenze zwischen den Labels Kurzfilm und Musikvideo zu verschwimmen beginnen.

Es ist ein Musikvideo, dass drei Songs umfasst, das ein Script als Grundlage hat, das eindeutig eine Geschichte erzählt, in Akte strukturiert, mit einer Ästhetik die eine intensivierte Variante der Enzlings-Ästhetik beinhalten. Solche Intensivierungen von Stilmitteln, Bearbeitung und Sprache, sind auch bei den anderen Arbeiten auffällig. So schöpft Beispielsweise die Arbeit an HANNA GROSCH´s TANGIBLE stark aus den ausgebildeten Mitteln von FRAß; die Arbeit an ECHOLOT hingegen bringt das aufbrechen begleitender Aufnahmen durch dokumentarische Arbeit, die verfremdet wird aus den ANTIHELDEN ein.

Die Arbeit mit Vladiwoodstok und der entstandenen Hybrid, verweist noch einmal stärker, in seiner Form auf diesen Spagat zwischen Film und Clip; formal betrachtet auch folgerichtig, da es innerhalb der Narration auch um das Changieren an verschiedenen Grenzen geht. Vor allem Schönheitsideale und Geschlechter stehen hier im trashigen Diskurs.

Aber genug der Theorie. Viel wichtiger ist die Verbindung zu Einstieg.

Wir haben diesen Film nun fertig und plötzlich stehen sich die vereinten Formen im Hinblick auf ihre Veröffentlichung feindlich gegenüber.

Einen Film würden wir nach dem Premieerenabend auf Festivals einreichen und (mittlerweile) versuchen über iTunes zu vertreiben bzw eine Verleiher zu finden. Ein Musikvideo dagegen ist auf Plattformen wie YouTube oder Vimeo zu finden, spezielle Fessivals gibt es dafür wenige.

Hinzukommend gab es ursprünglich das bestreben die rückgestellte Summe mit A TALE FROM VLADIWOODSTOK zu erwirtschaften, um ein weiteres Projekt finanzieren zu können. Aber niemand wird ein solches Produkt kaufen. Es gibt zwar Alben, die mittlerweile digital die Videoproduktionen mitliefern, aber ein gezielter Kauf eines solchen Films/Musikvideos, steht entgegen der Entwicklungen der ständigen Verfügbarkeit.

Die Lösung liegt vielleicht auch hier im Spagat:

wir haben uns entschlossen A TALE FROM VLADIWOODSTOK eine Premiere zu geben, die sich gewaschen haben soll. Am 30.01.2015, in der Kulturkellerei, mit einem Auftritt von Vladiwoodstok, der für ein Live-Album auch mitgeschnitten und gefilmt werden soll. Mit Frieder Greaf als supporting Act und einer Feier mit DJ Mogli hinterher (VERANSTALTUNG).

Danach werden wir unseren kleinen Film an ein paar Stellen vorführen und zeigen. Es wird zwei Filmplakate geben. Und bald auch schon einen Trailer. Wie sich das gehört. Und dann, irgendwann, werdet ihr den Film der auch ein Musikvideo ist und umgekehrt, auch auf YouTube finden.

Nicht als Werbung und nicht, weil wir denken, dass diese Arbeit kein Geld wert wäre.

Aber vorerst und vielleicht auch allgemein, ist es wichtiger, das viele Menschen den Film sehen und die Musik hören – und wir so unsere Arbeit mit euch teilen können. Es gilt auch an manchen Punkten sich den ökonomischen Gedanken zu entziehen, die eigene Arbeit frei werden zu lassen. Vielleicht auch darauf zu vertrauen, dass sich ein Weg für ein neues Projekt durch das vorherige ergeben wird.

Lasst uns Feiern und Bilder, Musik und Drinks genießen.

Tagged , , , , , , , , , ,

Comments are closed.

What's this?

You are currently reading A TALE FROM THE BORDER at .

meta

  • New(s)

  • all news